Afri muß an die frische Luft
Über Afri
Unsere Kollegin Lena erzählt Afris Geschichte und auch diese ist wirklich lesenswert:
"Als Afri im August 2023 auf unsere Tierauffangstation in Lustadt kam, war er ungefähr drei Monate alt. Und um ehrlich zu sein: Schönheitspreise hätte er damals eher nicht gewonnen.
Da, wo heute langes, seidiges Fell im Wind weht, befanden sich früher eher… sagen wir mal… vereinzelte Flusen. Nicht besonders dicht, nicht besonders flauschig und auch nicht besonders lang. Irgendwie sah Afri einfach aus wie eine kleine Staubflocke. So eine, die man frisch hinter dem Kühlschrank hervorkehrt. Zu unserem Leidwesen war das bisschen Fell, das vorhanden war, auch noch reichlich verziert – mit Kletten, Knoten und Filz. Auf seiner Nase thronte außerdem eine beeindruckende Kruste, die den gesamten Nasenrücken bedeckte. Als diese nach ein paar Tagen abfiel, nahm sie gleich das restliche Nasenfell mit. Das Ergebnis: eine komplett kahle Nase – und ein Gesamtbild, das man wohlwollend als… einheitlich unterdurchschnittlich bezeichnen konnte.
Nun sagt man ja: „Wahre Schönheit kommt von innen.“
Und Afri hat sich offenbar gedacht: Dann spare ich mir das mit außen.
Was ihm optisch fehlte, machte er – so hofft man bei solchen Geschichten – mit Charakter wett.
Das würden wir so gern schreiben.
Tat er aber leider nicht.
Afri war… nun ja… eine kleine Kratzbürste mit eingebautem Fauchsensor. Vom Konzept der Fellpflege – oder überhaupt vom Konzept Anfassen – war er zunächst nur mäßig überzeugt. Und das hat er auch sehr deutlich kommuniziert.
Doch mit viel Liebe, Geduld und der einen oder anderen Erinnerungsnarbe unsererseits wurde es langsam besser. Irgendwann lief die morgendliche Begrüßung so ab: Erst fauchen, dann spucken – und nach ein paar vorsichtigen Bürstenstrichen doch gegen die Bürste schmiegen.
Man könnte sagen: Freundschaft auf Katzenart.
Afri zog schließlich aus der Quarantäne zu anderen Kitten im ähnlichen Alter. Dort traf er auf eine bunte Mischung aus kleinen Zornnickeln, Hasenfüßchen und Kratzbürsten – also quasi die Jugendabteilung der Skeptiker.
Und wenn der beste Katzenkumpel Menschen schon doof findet, warum sollte man dann aus der Reihe tanzen?
Trotzdem fand Afri irgendwann ein Zuhause. Vielleicht nicht blitzschnell wie manche Kitten – aber immerhin. Leider blieb er dort seinem Grundsatz treu: Menschen sind suspekt. Während sein Mitbewohner langsam auftaute, blieb Afri lieber… ein überzeugter Couch-Untermieter.
Und irgendwann muss man ehrlich sein: Wenn eine Katze monatelang unter dem Sofa wohnt und panische Angst hat, bricht das nicht nur dem Menschen das Herz – es zeigt auch, dass es einfach nicht das richtige Leben für sie ist.
Also kam Afri zurück zu uns.
Und wir dachten uns:
Vielleicht braucht dieser junge Herr einfach etwas mehr… Freiheit.
Also hieß es: Afri muss an die frische Luft! (Oder wie hieß der Film noch gleich?)
Seitdem lebt er bei uns als Freigänger auf der Station – und siehe da: Der Plan ging auf. Afri hat sich Zeit gelassen. Viel Zeit. Katzenzeit eben. Aber mittlerweile ist es soweit:
Wenn man ihm morgens das Frühstück bringt, lässt er sich tatsächlich ein paar Mal übers Köpfchen streicheln.
Für manche Katzen wäre das nichts Besonderes.
Für Afri ist es ein riesiger Vertrauensbeweis – und für uns ein kleiner Grund zur Freude jeden Morgen.
Afri ist kein Schmuseweltmeister, kein Dauer-Schoßwärmer – sondern ein unabhängiger Freigeist mit weichem Fell, vorsichtigem Herzen und einem ganz eigenen Tempo.♥"
Wir freuen uns über Patinnen und Paten, die uns dabei unterstützen, Afri ein sorgenfreies Leben bis zu seinem natürlichen Ende zu ermöglichen.