So viele Fund- und Abgabetiere
veröffentlicht am in Retten & Mobile Tierrettung
Was ist eigentlich ein Fundtier?
Warum Tierheime Tiere aufnehmen – und warum sie Tiere nicht einfach von der Straße „wegfangen“
Immer wieder lesen wir in den sozialen Medien die Behauptung, Tierheime würden Tiere einfach von der Straße holen. Das ist falsch.
TERRA MATER e.V. nimmt Tiere nicht grundlos aus ihrem Umfeld. Wir werden tätig, wenn ein Tier aufgefunden wird, offensichtlich herrenlos, verletzt oder hilfsbedürftig ist, ausgesetzt wurde oder wenn Behörden um Unterstützung bitten.
Bei vermissten Tieren unterstützen wir – sofern sie aus unserem Einzugsgebiet kommen – vor allem durch die Verbreitung entsprechender Suchmeldungen über unsere Social-Media-Kanäle.
Und: Ein Fundtier ist kein Abgabetier. Ein Abgabetier wird von seinen Halterinnen und Haltern bewusst in die Obhut eines Tierheims gegeben. Ein Fundtier dagegen wird aufgefunden – und wenn sein Zuhause nicht direkt ermittelt werden kann, als Fundtier aufgenommen.
Fundtier heißt nicht automatisch herrenlos
Gerade bei Katzen ist diese Unterscheidung wichtig. Eine Katze, die draußen unterwegs ist, ist nicht automatisch herrenlos. Viele Katzen leben als Freigänger und haben ein Zuhause. Auch ein Hund, der allein unterwegs ist, kann schlicht entlaufen sein.
Wie häufig Tiere von ihren Menschen getrennt werden, zeigen die Zahlen von TASSO: 2025 wurden rund 120.000 vermisste Hunde und Katzen registriert – etwa 93.500 Katzen und 26.400 Hunde. Rund 96.600 Tiere konnten wieder mit ihren Menschen zusammengebracht werden.
Deshalb lautet die erste Frage bei einem Fundtier immer: Wo gehört dieses Tier hin?
Was passiert mit einem Fundtier?
TERRA MATER e.V., andere Tierschutzorganisationen und teilweise auch Finder verfügen über Chipauslesegeräte. Damit lässt sich die Transpondernummer eines gechippten Tieres häufig bereits direkt am Fundort auslesen.
Ist das Tier registriert und sind die Kontaktdaten aktuell, kann der Mensch, zu dem das Tier gehört, oft unmittelbar erreicht werden. Dann kann das Tier direkt wieder nach Hause.
Kann das Zuhause am Fundort nicht ermittelt werden, wird das Fundtier aufgenommen und der zuständigen Gemeinde entsprechend den Fundtierverträgen gemeldet. Die Suche geht anschließend weiter – über Haustierregister, Fundtiermeldungen, soziale Medien und weitere geeignete Wege.
Chippen allein reicht nicht
Ein Mikrochip allein reicht nicht. Die Transpondernummer muss einem Tier zugeordnet sein – und die hinterlegten Kontaktdaten müssen aktuell sein.
Die kostenlose Registrierung beispielsweise bei TASSO ist deshalb genauso wichtig wie die Kennzeichnung. Bei TASSO waren Ende 2025 bereits mehr als 11,5 Millionen Hunde und Katzen registriert.
Trotzdem kommen weiterhin zahlreiche Tiere ungekennzeichnet oder nicht registriert in Tierheimen an. Das erschwert die Suche erheblich und verlängert den Aufenthalt im Tierheim.
Dabei könnte ein Teil dieser Fundtieraufnahmen verhindert werden: Je mehr Haustiere gekennzeichnet und registriert sind, desto häufiger kann bereits am Fundort ein Kontakt hergestellt werden.
Kennzeichnung und Registrierung sind deshalb kein bürokratischer Zusatz, sondern ein wichtiger Teil verantwortungsvoller Tierhaltung.
Und was ist mit Katzen, die draußen leben?
Auch hier muss genau hingeschaut werden.
Eine freilaufende Katze mit einem Zuhause ist etwas anderes als eine herrenlose, freilebende Katze. Und eine Katze an einer betreuten Futterstelle muss nicht automatisch in ein Tierheim.
Finder können häufig gut einschätzen, ob ein Tier tatsächlich Hilfe braucht. Ist eine Katze verletzt, krank oder offensichtlich hilfsbedürftig, muss gehandelt werden. Bei einer freilebenden Katze wird außerdem geprüft, ob sie zu einer bekannten Katzenpopulation gehört.
Ist eine Katze tatsächlich herrenlos und nicht vermittelbar, kann es sinnvoll sein, sie nach tierärztlicher Versorgung und Kastration wieder an einen geeigneten Ort oder eine betreute Futterstelle zurückzubringen. Junge, zutrauliche oder vermittelbare Katzen können dagegen aufgenommen und vermittelt werden.
Es geht nicht darum, möglichst viele Katzen einzufangen. Es geht darum, die Situation richtig einzuschätzen und die passende Lösung für das einzelne Tier zu finden.
Katzenschutz wird zunehmend auch kommunale Aufgabe
Immer mehr Städte und Gemeinden erkennen, dass sich das Problem freilebender Katzen nicht allein durch Tierschutzorganisationen lösen lässt.
Nach Recherchen des Deutschen Tierschutzbundes hatten im Januar 2024 rund 1.346 Städte und Gemeinden eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen. Inzwischen sind es mehr als 2.000 Gemeinden und Städte mit einer Katzenschutz- oder Kastrationsverordnung. Solche Regelungen können Vorgaben zur Kastration, Kennzeichnung und Registrierung enthalten.
Das zeigt: Katzenschutz wird zunehmend als gemeinsame Aufgabe verstanden. Denn nur wenn Kastration, Kennzeichnung und Registrierung zusammenspielen, lässt sich die unkontrollierte Vermehrung freilebender Katzen langfristig eindämmen.
Hilfe statt Wegfangen
Tierschutz bedeutet nicht, Tiere möglichst schnell von der Straße zu holen.
Tierschutz bedeutet, hinzusehen, Verantwortung zu übernehmen und genau zu prüfen, was ein Tier braucht.
Ist ein Tier entlaufen, soll es möglichst schnell wieder nach Hause. Ist es verletzt oder hilfsbedürftig, braucht es Versorgung. Ist es tatsächlich herrenlos, muss eine geeignete Lösung für sein weiteres Leben gefunden werden.
Unsere Aufgabe ist nicht, Tiere von der Straße wegzufangen. Unsere Aufgabe ist es, Tieren zu helfen, die unsere Hilfe brauchen.
Und je besser Haustiere gekennzeichnet und registriert sind, desto häufiger kann genau das gelingen, was sich alle wünschen: Dass ein Fundtier gar nicht erst zum Tierheimtier wird, sondern schnell wieder zu seinem Menschen nach Hause kommt.