Voller Einsatz für den Artenschutz

Neugierig blickt dieses Schreiadlerküken in die Welt

Ein Prozedere, das sich in Potsdam Jahr für Jahr wiederholt und den Mitarbeiter*innen des Wald- Jagd- Naturerlebnis e. V. einiges abverlangt. Doch warum eigentlich? Der ausschließlich in Europa lebende Schreiadler ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Die Ursachen: Durch die zunehmende Bebauung von Grünflächen müssen die Tiere immer weitere Wege zurücklegen, um Nahrung zu finden. Auch führt die bedenkenlose Waldrodung zugunsten von z. B. Windradanlagen dazu, dass immer weniger geschützte Brutstätten zur Verfügung stehen. Und nicht selten scheucht zudem Unruhe durch z. B. laute Forstarbeiten die Vogeleltern auf, sodass der Weg frei ist für Fressfeinde wie den Baummarder oder den Kolkraben, die ungehindert das Gelege plündern.

Um den Rückgang der Bestände aufzuhalten, entnehmen Naturschützer*innen jedes Jahr die Brutreserven bzw. die zweitgeborenen Jungtiere aus den Horsten. „Der Fachbegriff dafür, dass Schreiadler ihre jüngeren Geschwister töten, ist Kainismus“, erklärt Stationsleiterin Ilka Simm-Schönholz. „Ohne menschliches Eingreifen würden diese Jungtiere, die dann zu uns gebracht werden, höchstens drei Tage überleben.“

Um die Prägung auf den Menschen zu vermeiden nähern sich die Potsdamer Mitarbeiter*innen für Fütterung und Pflege der Adlerküken ausschließlich mit Vogelmaske und -kostüm. Nach acht Wochen sind die flaumigen Federbälle dann groß genug, um in die Heckingstation in der Uckermark umgesiedelt und schließlich ausgewildert zu werden. Ein großer Aufwand und doch so notwendig für den Artenschutz.

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