Unsere Expertin für Reptilien

Monika Schlegel

TERRA MATER Reihe: Interview 5

"Eine Schlange kommt mir nicht ins Haus!"

TM: Frau Schlegel, wie hat alles angefangen mit der Reptilienauffangstation in Graben-Neudorf, Baden-Württemberg?

Monika Schlegel (MS): Die Reptilienauffangstation wurde im Jahr 2000 gegründet. Angefangen hat alles mit der Aufnahme von zwei Wasserschildkröten für TERRA MATER und einem kleinen Teich. Doch schon nach 6 Monaten reichte der Platz nicht mehr aus, weil viele weitere Tiere hinzugekommen waren.

Gemeinsam mit meinem Ehemann machte ich mich daran, einen artgerechten Außenbereich mit vielen Gehegen und mehreren Teichen aufzubauen. Hinzu kamen Winter- und Quarantänebecken. Seit 2007 gehört außerdem eine Wohnung für Terrarientiere zur Station. Hier werden hauptsächlich aufgegriffene und sichergestellte Reptilien aus der mobilen Tierrettung in geeigneter Umgebung untergebracht und betreut.

TM: Wie viele Tiere leben für gewöhnlich auf Ihrer Station?

MS: Auf unserer Station beherbergen wir mittlerweile regelmäßig 110 bis 130 Tiere. Darunter befinden sich Land- und Wasserschildkröten, Leguane, Schlangen, Agamen, Geckos und viele mehr.

TM: Welche Faszination haben Reptilien für Sie?

MS: Das Besondere ist meiner Meinung nach, dass diese Tiere keine "Kuscheltiere" sind, wobei unsere Bartagamen sehr an unsere PflegerInnen gewöhnt und handzahm sind. Sie fressen sogar aus der Hand. Auch die Haltung von Reptilien finde ich höchst spannend, da man einige wichtige Punkte beachten muss.

TM: Was gehört zu einer optimalen Reptilienhaltung?

MS: Das ist von Tier zu Tier sehr unterschiedlich. Landschildkröten z. B. benötigen im Sommer ein Freigehege. Hier ist darauf zu achten, dass das Gehege ausreichend vor Katzen und Raubvögeln geschützt ist. Außerdem ist es für eine artgerechte Haltung wichtig, dass die Landschildkröte eine Sandstelle und eine Unterschlupfmöglichkeit vorfindet. Bei schlechtem Wetter sollte eine Wärmelampe bereit stehen. Für eine möglichst natürliche Umgebung ist es darüber hinaus wichtig, eine Bademöglichkeit einzurichten und Futterpflanzen auszusäen, z. B. Löwenzahn und Wegerich.

TM: In der Tierschutzarbeit erlebt man es leider oft, dass HalterInnen von Reptilien mit der Haltung überfordert sind. Wo liegen die Probleme?

MS: Vor der Anschaffung machen sich die Leute meist wenig Gedanken darüber, welche Verantwortung mit solch einem Tier verbunden ist. Wer kümmert sich z. B. im Urlaub um die Tiere? Da das Terrarium nicht ohne Weiteres transportiert werden kann, muss jemand vorbeikommen, um die Tiere zu versorgen.

Außerdem bringt die Haltung hohe Kosten mit sich, angefangen bei der Anschaffung der Grundausstattung bis hin zum Strom, der für Beheizung und zur Regulierung der Luftfeuchtigkeit anfällt. Viele bedenken auch nicht, dass das anfängliche Terrarium zu klein werden kann – nämlich dann, wenn die Tiere beim Kauf noch nicht ausgewachsen sind.

TM: Viele Menschen reagieren ängstlich, wenn sie Schlangen, Vogelspinnen o. ä. sehen. Wie ging es Ihnen damals, als Sie mit Ihrer Arbeit begannen?

MS: Ich hatte nie Angst vor diesen Tieren. Aber für die Arbeit ist es ausgesprochen wichtig, dass man mit einer gesunden Portion Respekt an die Sache herangeht. Dazu gehört auch, dass man die Tiere intensiv in ihren Bewegungen und Reaktionen beobachtet, um dann angemessen reagieren zu können. Das ist vor allem wichtig, wenn wir im Einsatz sind, um ein Tier zu retten.

TM: War eine eigene Reptilienstation schon immer Ihr persönlicher Traum?

MS: Früher hätte ich nie gedacht, dass ich einmal hauptberuflich mit Reptilien zu tun haben würde. Ich kann mich sogar noch gut daran erinnern, dass meine Tochter eines Tages, als sie noch klein war, unbedingt eine Schlange haben wollte. Damals erwiderte ich überzeugt: "Eine Schlange kommt mir nicht ins Haus!" – Letztlich ist es dann ja doch alles anders gekommen und darüber bin ich sehr froh.

TM: Vielen Dank für das Gespräch!

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